Die Lauftherapie-Seite
Hier erfahren Sie alles über das

Einstieg in den Gesundheitssport
Das Deutsche Lauftherapiezentrum
_____Dauerlauf ist gut für die Seele

Lauftherapie in Karlsruhe
Anmeldung
Physiotherapie Frank Schmelcher
Reinhard Mussler

::: Kontakt/Impressum
 

Bericht über das 1. Bad Lippspringer Symposium
GESUNDHEITSFÖRDERUNG DURCH LAUFTHERAPIE (17. - 20. April 1997)

Bei einem Symposium zur begleitenden Therapie durch Joggen treten die Sportpsychologen in den Vordergrund
Dauerlauf ist gut für die Seele und fördert die geistige Fitneß

BAD LIPPSPRINGE. Wenn in der Vergangenheit von der Gesundheitswirkung des Dauerlaufs die Rede war, ist fast immer nur die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Rehabilitation gemeint gewesen. Der psychohygienische Aspekt hingegen blieb Sache von Insidern. Bereits zu der Zeit, als selbst die Amerikaner das Joggen noch nicht kannten, hat fast jeder "Unsportliche" , der mit dem Dauerlauf im Sauerstoff-Gleichgewicht begann, sein Aha-Erlebnis gehabt: Er fühlte sich beim Laufen und danach auf bisher kaum gekannte Weise wohl. Während jedoch über die physiologischen und biochemischen Wirkungen des Dauerlaufs eine ganze Bibliothek erarbeitet worden ist, schwiegen lange Zeit die für psychische Vorgänge beim Sporttreiben Zuständigen: die Sportpsychologen. Einige wenige Ärzte und Therapeuten empfahlen und praktizierten, insbesondere in der Suchtprophylaxe, das Laufen als unterstützende Psychotherapie, ohne daß sie das so nannten. Der Informationsstand hing offenbar von den Erfahrungen der Therapeuten selbst ab.

Der erste, der sich in Deutschland wissenschaftlich Gedanken über therapeutische Möglichkeiten des Laufens gemacht hat, war der Erziehungswissenschaftler und Hochschullehrer Alexander Weber in Paderborn, von Haus aus Psychologe und einer jener Wohlfühl-Läufer aus den sechziger Jahren. Doch auch er hängte seine Erkenntnisse nicht an die große Glocke. Damalige Läufer einschließlich ihres Gurus, des Laufdoktors Ernst van Aaken, galten als Spinner. Offenbar läßt sich in Deutschland wissenschaftlicher Ruf leichter ruinieren als in den Vereinigten Staaten, wo John H. Greist eine Pilotstudie über Depressive veröffentlichen konnte, die mit Laufen denselben oder einen besseren Effekt erzielten als eine Vergleichsgruppe mit Psychopharmaka. Noch 1984 hielt ein Psychologe den von Weber bei Alkoholikern beobachteten Angstabbau durch Laufen für unwahrscheinlich. Er begann mit eigenen Untersuchungen und wurde vom Saulus zum Paulus. Heute kombiniert er, der Hochschullehrer Ulrich Bartmann, Laufen und autogenes Training.

1988 wagte es Alexander Weber, durch weitere eigene und andere Arbeiten - zum Beispiel gibt es eine über Laufen und Migräne - sicherer geworden, eine Voraussetzung zu schaffen, Laufen künftig breitenwirksam zur Therapie einzusetzen. Er gründete das Deutsche Lauftherapiezentrum (DLZ). Mit seinen Mitarbeitern formulierte er diese Zielsetzung: "Lauftherapie ist ein ganzheitlicher, unspezifischer Weg zur Prophylaxe und Behandlung von Beeinträchtigungen im physischen und psychischen Bereich." Zum einen wendet sich das Lauftherapiezentrum direkt an Klienten, die zu einem Vierteljahrkurs aus dem Umland von Paderborn kommen - bisher etwa 2000. Zum anderen bildet es Lauftherapeuten aus, die eine einschlägige berufliche Basis mitbringen müssen. Dieser Tage ist der achte eineinhalbjährige Kurs eröffnet worden. über hundert Absolventen haben bisher das DLZ-Diplom erworben, die Mehrzahl von ihnen ist in Kliniken und Heimen oder für Krankenkassen und Volkshochschulen tätig. Einige ihrer Arbeiten sind als Buchveröffentlichungen erschienen, letzthin "Lauftherapie bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen" von Wolfgang W. Schüler.

Das Spektrum der Möglichkeiten und Chancen hat das 1. Bad Lippspringer Symposium "Gesundheitsförderung durch Lauftherapie" deutlich gemacht. Jeden Monat werden in Deutschland 10,8 Milliarden Mark für die Behandlung von Krankheiten ausgegeben, die auf Bewegungsmangel, falsche Ernährung und Streßbelastung zurückzuführen sind. Die Hälfte der deutschen Bevölkerung über 18 Jahre hat übergewicht. Es bestätigt sich immer wieder, daß der Einstieg ins Lauftraining ungünstige Lebensgewohnheiten verändert, zum Beispiel zu einer gesundheitsbewußten Ernährung führt. Allerdings können sich, wenn Laufen zum Sport wird, spezifische Ernährungsprobleme ergeben, wie Professor Heinz Liesen, früher Mannschaftsarzt einiger deutscher Sportverbände, in einem Referat über die Bedeutung von Mikro-Nährstoffe demonstrierte. Laufen läßt sich, nicht nur in der Therapie, sehr gut mit mentalen Techniken verbinden, etwa mit dem heilgymnastischen Bewegungssystem T'ai Chi oder dem mentalen Aktivierungstraining ("Gehirnjogging"), das Siegfried Lehrl entwickelt hat. 20 Prozent des Sauerstoffs werden im Gehirn verbraucht. Da liegt es nahe, daß eine gesteigerte Sauerstoffaufnahme durch das Lauftraining auch der geistigen Fitneß zugute kommt. Weithin unbekannt ist hierzulande die Methode des amerikanischen Körpertherapeuten Thomas Hanna, das "somatische Lernen".

Im Grunde hat, wenn man wie Reinhard Tausch im Laufen eine Hilfe bei Streß und Belastung sieht, jeder der etwa 2500 Lauftreffs des Deutschen Leichtathletik-Verbandes eine therapeutische Aufgabenstellung. Doch die wenigsten Lauftreffs betreiben eine auch nur annähernd so differenzierte Anfängerbetreuung wie der seit vielen Jahren vorbildliche Lauftreff in Darmstadt, den Carl-Jürgen Diehm und Walter Schwebel leiten. Denn die umstimmenden Wirkungen des Dauerlaufs können sich nur dann entfalten, wenn die Geschwindigkeit moderat und damit individuell angepaßt ist. Berücksichtigt man die gegenwärtige Tendenz, Präventivmaßnahmen nicht mehr durch die Gemeinschaft zu finanzieren, ist die Initiative des Professors unversehens hochaktuell geworden. Einige Lauftherapeuten bieten bereits auf dem freien Markt ihre Hilfe an. WERNER SONNTAG
 


Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.1997, Nr. 95, S. 32
Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Zur Verfügung gestellt von:
F.A.Z.-Archiv